miteinander

Der Lauterberg im Karlsruher Zoo

Viele erste Male sind nötig, bis etwas richtig gut funktioniert. Und selbst dann: Es hört nie auf mit dem Anfangen.

Eine Begehung von Karlsruhes Geschichte –
und der Versorgung der Stadt.

 

 

Text: Cordula Schulze
Fotos: Anne-Sophie Stolz

 

 

 

Beim Blick zurück auf die frühen Tage der öffentlichen Daseinsvorsorge in Karlsruhe wird klar, wie komplex der Weg zu einer verlässlichen Versorgung mit Wasser, Energie und Wärme ist. Technologische Innovationen, politische Zwänge, gesellschaftliche Über­­­zeugungen, wissenschaftliche Erkenntnisse – sie alle wirken auf die Versorger ein. Die Stadtwerke Karlsruhe haben im Laufe der Zeit immer mehr Kontur gewonnen. Vom städtischen Betrieb zur GmbH, die hohe Erwartungen an ihre Zukunftsfähigkeit erfüllen will und wird. Auch wenn die Stadtwerke heute Anfänge im Bereich neuer Tech­nologien wagen – die Stadt erinnert sich noch an Zeiten, wo die mächtige Anlage des Gaswerks in der Oststadt den Blick auf Karlsruhe dominierte, als hitzige Debatten über Wasserwerkstandorte geführt wurden oder als tief im Westen der Energieberg erstmalig verdeutlichte, wie wertvoll die Ressource Müll ist. So führt dieser Blick zurück auch zu den ersten baulichen Spuren der Stadtwerke zwischen Schloss, Festplatz, Wasserwerken und Rheinhafen.

 

 

Vor der Gründung Karlsruhes:
Erste Wasserversorgung in Durlach

Das Jahr 1468 markiert den Beginn der Wasserversorgung von Durlach und später auch Karlsruhes. Dieses Datum war im Giebel eines Durlacher Brunnenhäuschens zu sehen. Bis zur Gründung von Karlsruhe selbst sollen noch rund 250 Jahre vergehen.

 

ehemalige Brunnentor in Durlach

Die Anfänge Karlsruhes liegen bekanntlich in Durlach. Am ehemaligen Brunnentor stand das erste Brunnenhäuschen zur Wasserversorgung.

 

Stadtgründung:
Die Fächerstadt entsteht

In »ein Wald, der wilden Thiere Aufenthalt« beschließt Markgraf Carl Wilhelm von Baden-Durlach den Bau eines Schlosses, das in kurzer Zeit Menschen anzieht. Die Stadt Karlsruhe steht am Anfang ihrer Geschichte – zunächst mit wenigen Einwohnern. Im Jahr nach der Gründung entstehen Zirkel und neun Hauptstraßen, eine geordnete Bebauung, gefolgt von Schulen und einer ersten Apotheke. Ein Bürgermeister wird gewählt. Um die Ansiedlung und das Zusammenleben der Menschen in der Stadt zu gestalten, verfasst Carl Wilhelm den so genannten »Privilegien­brief« bereits kurz nach der Grundsteinlegung für das Schloss. Großzügige Regelungen, Religionsfreiheit und Steuererleichterungen ziehen bald Interessenten aus dem umliegenden In- und Ausland an. 15 Jahre nach der Stadtgründung beträgt die Einwohnerzahl von Karlsruhe 2.653 und sie wird während des gesamten 18. Jahrhunderts im vierstelligen Bereich bleiben.

 

Friedrich-Weinbrenners Brunnenhaus

Ebenfalls in Durlach: Friedrich Wein­brenners Brunnenhaus, das zwischen 1821 und 1824 errichtet wurde, um die dortige Quelle zu fassen und zu schützen.

Eine Boomzeit:
Karlsruhe wächst schnell

1800 leben 7.275 Menschen in Karlsruhe; zum Ende des Jahrhunderts werden es rund 90.000 sein. Kurzum: Das 19. Jahrhundert ist die Boomzeit Karlsruhes. Mehrere Entwicklungen verlaufen parallel: Baden gewinnt an politischer Bedeutung; es werden Straßen und Kanäle gebaut. Anfänge einer modernen Infrastruktur entstehen und setzen sich in der Stadt fort. Denn hier schafft der Architekt, Stadtplaner und Baumeister Friedrich Weinbrenner große Achsen und Plätze, insbesondere den Marktplatz. Staatliche Institutionen und repräsentative Bauten prägen das Bild der wachsenden Stadt. Auch das Bildungssystem gewinnt an Bedeutung; die Absolventen der Hochschulen gestalten die Frühindustrialisierung Karlsruhes.

 

erste Gaswerk in Karlsruhe

Heute Theater, früher das erste Gaswerk – anfangs von zwei englischen Unter­nehmern betrieben, später bis 1917 von der Stadt Karlsruhe.

Industrialisierung:
Neue Dynamik und Bevölkerungswachstum

Mitte des 19. Jahrhunderts erfasst die Industrialisierung Karlsruhe. 1843 eröffnet der erste Karlsruher Bahnhof dort, wo heute das Staatstheater steht. Die Lage der Stadt an der Strecke Basel-Mannheim beschleunigt die Industrialisierung. Sie bringt Arbeitsplätze und lässt den Verbrauch an Wasser und Energie deutlich ansteigen. Die Fächerstadt verändert sich, indem sie sich aus der Abhängigkeit vom Hof löst. Die Industriearbeiter und ihre Familien leben vor allem in der Süd- und Oststadt sowie im Dörfle, der heute weitgehend sanierten östlichen Innen­stadt. Karlsruhe wird urbaner. 1895 leben 84.000 Menschen in Karlsruhe.

Der Erste Weltkrieg unterbricht den Erfolg der Karlsruher Industrieunternehmen, zu denen einige echte Schwergewichte gehören: die Metallpatronen AG, die Maschinenbau-Gesellschaft Karlsruhe als Hersteller von Dampflokomotiven und Eisenbahnwagen oder die Nähmaschinenfabrik Haid & Neu sowie zeitweilig mehr als 20 Brauereien.

 

Wasserwerk Durlacher Wald

Das Wasserwerk Durlacher Wald nimmt 1871 den Betrieb auf. Der Turm am Rande des Oberwalds, mittlerweile ohne Wasserbehälter, ist weithin sichtbar.

Zwischen den Kriegen:
Karlsruhe zieht weiterhin Menschen an

Nach dem Ersten Weltkrieg liegt die Fächerstadt in der entmilitarisierten Zone. Die Umstellung von Rüstungs- auf Friedensproduktion und der Verlust des Hofes nach der Abdankung des letzten Großherzogs 1918 führen dazu, dass die Stadt wirtschaftlich weniger erfolgreich ist. Gleichzeitig öffnet sie sich den Ideen der Moderne. Die Siedlung im Dammerstock entsteht: Jede Wohnung ist mit fließend Warm- und Kaltwasser, Heizung und Fenster in jedem Raum ausgestattet. Für die damalige Zeit waren Helligkeit, Hygiene und gute Durchlüftung erstrebenswerte Neuheiten! 1933 zählt Karlsruhe 155.000 Einwohnerinnen und Einwohner.

 

Heizkraftwerk West am Rheinhafen

1901 eingeweiht: das heutige Heizkraftwerk West am Rheinhafen.

Krieg und Wiederaufbau:
Die Versorgung wird immer besser

Schon 1930 sind die Nationalsozialisten stärkste politische Kraft in Karlsruhe. Aus der badischen Landeshauptstadt wird die Gauhauptstadt Karlsruhe. Nach dem Krieg wird Stuttgart Landeshauptstadt; Karlsruhe mit seinen Gerichten und Institutionen bleibt bedeutender Verwaltungsstandort.

Rund ein Drittel der Stadt ist bei Kriegsende zerstört. Nach der Währungsreform 1948 entwickelt sich ein wahrer Bauboom. So entstehen in den 1950er-Jahren rund 27.500 neue Wohnungen, in den 1960ern kommen noch einmal fast so viele dazu. 1963 leben 250.000 Menschen in Karlsruhe.

Auch die industrielle Entwicklung greift wieder, zwei Ölraffinerien siedeln sich bei Maxau an. Dazu kommen zahlreiche Betriebe nach Karlsruhe, darunter Siemens, L’Oréal oder Michelin. Der Rhein­hafen profitiert von neuen Pipelines aus Südeuropa und wird zum fünftgrößten Binnenhafen Deutschlands.

 

Litfaßsäule von 1992

Erste Trafostationen waren ab circa 1902 häufig in Litfaßsäulen untergebracht.

Sinneswandel der 70er:
Stadterneuerung und Grünanlagen

Stadt und Stadtwerke beginnen, das Wachstum und seine Folgen zu hinterfragen. So soll sich künftig der Verkehr der Stadt anpassen und nicht umgekehrt. Denn die Bürger sollen sich in der Stadt wohlfühlen – und nicht ins Umland ziehen! Ölkrise, Strukturwandel und der Verlust von Arbeitsplätzen im produzierenden Gewerbe sorgen für neue Impulse. Karlsruhe rüstet sich für die Zukunft, indem es sich auf Dienstleistungen einstellt.

Heizwerk hinter Bäumen

Das Heizwerk im Stadtteil Waldstadt ging in den 1960er-Jahren in Betrieb.

Neues Jahrtausend
– neue Herausforderungen

Das 21. Jahrhundert beginnt mit einer Reihe großer Fragen und Herausforderungen. Wie sollen die Energieversorger ihre Verantwortung gegenüber dem Bürger erfüllen und gleichzeitig der gesellschaftlichen Aufgabe nachkommen, das Klima zu schonen? Erneuerbare Energien sind die Antwort – wieder stehen Anfänge an. Wetterextreme, Hitzeinseln in der Stadt und die ungebrochene Beliebtheit Karlsruhes sorgen dafür, dass der Verbrauch an Wasser und Energie besonders im Sommer neue Spitzen erreicht. Neue Technologien wie smarte Netze, Brennstoffzellen oder digitale Lösungen beschleunigen den Modernisierungsprozess bei den öffentlichen Versorgern. Die Zukunft wartet!

Weitere Inhalte
Vorstand der gemeinnützigen AG Fair­antwortung aus Karlsruhe

14 Mal von der Erde bis zum Mond

trinkfair

Detailansicht der 3-D-Arbeiten in der Majolika in Karlsruhe

Kreuzworträtsel

Mitmachen und gewinnen!

Illustration kindlich gezeichneter Fabelwesen

Bastel dir ein Knickbild-Fabelwesen