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Künstliche Intelligenz, Neuerfindung ganzer Geschäftsfelder, noch ungeahnte Zukunftsentwicklungen – die Digitalisierung bietet Chancen für wachsenden Lebensstandard und verändert unsere Umwelt gleichzeitig auf fundamentale Weise. Eine Entdeckungsreise durch Karlsruher Positionen.

 

Text: Konstantin Maier

 

»Flugtaxis für Deutschland!« Als die Digital-Staatministerin Dorothee Bär mit dieser Forderung ihre Amtszeit eröffnete, wurde sie von vielen dafür belächelt. »Baut erstmal die Glasfasernetze aus«, war eine häufige Reaktion. Doch war ihre Zukunftsvision so gänzlich unrealistisch? Von wegen! In Bruchsal entsteht mit dem Volocopter ein praxistaugliches Flugtaxi, das autonom fliegen kann und senkrecht startet. Es sieht aus wie ein Helikopter. Aber statt eines üblichen Hubschrauber-Rotors sind auf dem Dach des Volocopters 18 Rotoren fest montiert – ähnlich wie bei einer Drohne. Dadurch kann das Fluggerät senkrecht abheben. Co-Gründer und Ingenieur Alex Zosel ist überzeugt von seinem Projekt: »Unser Ziel ist, ein autonom fliegendes Lufttaxi für Jedermann zu etablieren.« Die Menschen werden ein solches Gerät aber nicht selbst besitzen, sondern bequem über eine App bei Bedarf für einen bestimmten Trip buchen – beispielsweise vom Flughafen zur Messe, so der Gründer.

In Bruchsal wird mit dem Volocopter ein alltagstaugliches, autonomes Lufttaxi entwickelt. Fotos: Volocopter

Die Digitalisierung des Arbeitsmarkts: Chance oder Risiko?

Was vor wenigen Jahren wie verstiegene Zukunftsvisionen klang und unvorstellbar war, ist heute Realität: Kühlschränke, die Einkäufe per App erledigen oder digitale Assistenten, die über den Messenger mit der Familie ein Fest planen oder den nächsten Urlaub während einer Zugfahrt buchen. Der technologische Fortschritt ist zum ersten Mal so schnell, dass eine Generation die Ablösung von gleich mehreren Technologien erlebte und erlebt. Ich selbst bin ein sogenannter »digital Native«, das heißt, ich bin in einer sich zusehends digitalisierenden Welt aufgewachsen. Als Kind gab es noch Telefone mit Wählscheibe, das Internetmodem machte lustige Geräusche wie eine Raumschiff, Oma hatte nur die ersten drei Programme im Fernsehen und die CD als Tonträger war neben dem Walkman stetiger Begleiter.

 

Heute gibt so gut wie keinen Bereich in unserer Lebensrealität, der sich nicht durch die Digitalisierung verändert. Das Arbeitsleben spielt sich größtenteils vor Bildschirmen ab. Eine wachsende Anzahl Bundesbürger sieht nicht mehr klassisch fern, sondern schaut Serien und Filme online auf Tablets und Mobilgeräten. Daten sind immer und überall verfügbar. Der schnelle Fortschritt scheint unendliche Möglichkeiten zu eröffnen. Doch nicht nur Privatleute, auch Unternehmen fühlen sich abgehängt und sehen großen Gefahren bei künstlicher Intelligenz oder den großen Monopolisten wie Google, Amazon oder Facebook, die Nutzerdaten sammeln und verkaufen. Ist denn die Digitalisierung eher Chance oder Risiko?

»Ein Risiko ist sie für ein Unternehmen nur dann, wenn sie zu nachlässig oder rigide durchgesetzt wird. Beim ersten verliert man den Effekt, bei zweiterem die Belegschaft«, so der Unternehmensberater André Hellmann. Die von ihm mitgegründete Firma netzstrategen hilft Unternehmen dabei, sich den Herausforderungen einer digitalen Welt zu stellen. Er hat sich, nachdem er einige Jahre in den Vereinigten Staaten lebte, bewusst für seinen Heimatort Karlsruhe entschieden. »Karlsruhe entwickelt sich gerade unheimlich stark und es macht großen Spaß, diese Entwicklung persönlich wie geschäftlich mitzugestalten«, so Hellmann. Er bringt seinen Kunden nahe, dass die Digitalisierung kein Einzel- oder Parallelthema ist, sondern sich auf alle Aspekte und Bereiche des Unternehmens auswirkt.

 

»Oft hören wir zum Beispiel Argumente wie ›In der Buchhaltung gibt es nichts zu digitalisieren!‹ Aber gerade da laufen unheimlich viele spannende Daten zusammen. Mit Digitalisierung meinen wir nicht nur das papierlose Büro, sondern die bewusste digitale Umwandlung der Kerndaten, um neue Erkenntnisse zu gewinnen und neue Prozesse aufzusetzen.«

Laut Hellmann gibt es immer was zu digitalisieren. In seiner Firma gibt es so gut wie nichts, das nicht digital funktioniert. Die Mitarbeiter tauschen sich über Projektmanagement-Tools aus, Dokumente und Dateien liegen in einer Cloud. Darunter versteht man einen externen Speicher, auf den jeder Mitarbeiter von überall zugreifen kann. »Uns würde es beispielsweise überfordern, ein Fax zu schicken«, so Hellmann. Der berufliche »Digitalisierer« ist auch im Vorstand des Karlsruher Cyber-Forums tätig. Hier vernetzen sich Unternehmer, Gründer, Kreative, Mitarbeiter aus Forschungseinrichtungen und Insti-tutionen, Studierende, Business Angels und Auszubildende.  Mit knapp 1.200 Mitgliedern ist es das europaweit größte regional aktive Netzwerk. Dass auch die Stadt noch dazulernen kann, erkenne man laut Hellman vielleicht am besten daran, dass das Hightech-Unternehmernetzwerk CyberForum aus einer privaten Initiative entstanden ist. Die Stadt sei dort nur zu Gast.

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