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Die Rufe nach mehr aktiver Gestaltung des Digitalisierungsprozesses hat die Stadt scheinbar gehört. Bei der Initiative karlsruhe.digital arbeiten 150 Expertinnen und Experten aus über 50 Institutionen zusammen, um die verschiedenen Erfolgsfaktoren zu verbessern. Gemeinsam verfolgt sie die Vision, Karlsruhe zum Motor der Digitalisierung und somit zum Vorreiter bei digitalen Themen zu machen. Der Gemeinderat bewilligte für 2019 und 2020 250.000 Euro für die Initiative. Die Karlsruher Wirtschaft legt jährlich die gleiche Summe dazu. Auch das Wirtschaftsministerium des Landes Baden-Württemberg will mit vier Millionen Euro aus Mitteln der Digitalisierungsstrategie der Landesregierung neue Projekte des Technologie- und Wissenstransfers aus der wirtschaftsnahen Forschung fördern. So sollen mittelständische Unternehmen Digitalisierungsvorhaben voranbringen. Zu den 15 ausgewählten Projekten gehören auch zwei Projekte des Forschungszentrums Informatik (FZI), Karlsruhe.

Am Karlsruher FZI gibt es zahlreiche Forschungsprojekte zu verschiedenen Themen der Digitalisierung, auch zum autonomen Fahren. Foto: FZI Forschungszentrum Informatik

Am FZI wird so ziemlich jedes Themenfeld der Digitalisierung erforscht, auch das autonome Fahren. Über das Thema wird in  der Öffentlichkeit breit diskutiert, doch der Forscher Marc René Zofka, Abteilungsleiter am FZI, kann alle Skeptiker beruhigen: »Wir werden immer mehr Fahrzeuge mit steigendem Grad an Autonomie auf Deutschlands Straßen sehen. Diese werden sich allerdings vorerst auf Test- und Erprobungsfahrten befinden. Zusätzlich ist es aktuell auch rechtlich noch gar nicht erlaubt, dass vollständig autonom fahrende Fahrzeuge am Straßenverkehr teilnehmen.« Karlsruhe wurde als Standort für das Testfeld Autonomes Fahren Baden-Württemberg ausgewählt. Die Stadt zeichne sich durch vielfältigen, innerstädtischen Verkehr aus, in dem auch der ÖPNV eine wichtige Rolle spiele, so der Forscher.

»In Sachen Qualität stehen wir Google in nichts nach.«

In diesem Kontext spielt gerade die künstliche Intelligenz eine große Rolle. Schon heute können Maschinen viele Aufgaben sehr viel besser lösen als der Mensch – rechnen zum Beispiel. »Aber eine künstliche Intelligenz hat kein zusammenhängendes Verständnis von der Welt und sich selbst. Sie hat auch größte Probleme, so etwas zu lernen«, erklärt Georg Heppner, der sich am FZI mit dem Forschungsfeld künstliche Intelligenz beschäftigt. Der Begriff »künstliche Intelligenz« umfasse, so Heppner, ein riesiges Gebiet – von der intelligenten Auswertung eines Sensors bis hin zu interaktiven Servicerobotern oder gar autonomen Softwareagenten. »Wir haben in Europa und auch Deutschland viele hochkarätige Forschungsgruppen, deren Ergebnisse vielleicht nicht so bekannt sind wie die von Google, aber sie stehen ihnen in Sachen Qualität in nichts nach«, so der Wissenschaftler.

 

Dass intelligente Roboter zu einer Gefahr für die Menschen werden können, hält Heppner für reine Science Fiction. »Auch aktuellste Systeme, die versuchen, möglichst intelligente Entscheidungen zu treffen, sind noch weit von einem eigenen Bewusstsein entfernt.« Lernende Systeme können zwar beeindruckende Leistungen vollbringen, beispielsweise wenn bestimmte Muster erkannt werden sollen. Aber letztendlich werde hierbei auch nur eine Auswertungsfunktion erstellt und kein eigener »Gedanke« gefasst. »Problematisch wird es natürlich, wenn diese fortschrittlichen Systeme vom Menschen ausgenutzt werden, um gegen andere Menschen vorzugehen«, so Heppner. »Hier liegt es aber einfach an uns Menschen, dies zu verhindern.«

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»Vernichtet Automatisierung Arbeit?«
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