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Künstlerin vor dem Container der Karlsruher Tiertafel

Es ist heiß an diesem Montagnachmittag im Juli. Auf dem Gelände des Tierfuttermarktes Nelly’s Futterkiste in Karlsruhe steht im Schatten einer Birke ein mit Hundemotiven besprühter Container. Eine junge Frau und ein junger Mann treten heraus und stellen einen Klapptisch und einen Sonnenschirm vor der Tür auf. Auf den Tisch platzieren sie einen Karteikasten und eine Schachtel mit Hundeleckerlis. Auf den Boden stellt der junge Mann einen Wassernapf. Kaum haben sie alles aufgebaut, kommen die ersten Gäste: Eine Frau mit zwei kleinen Kindern und einem Mischling bittet um Futternachschub für den Familienhund und verweist auf seine Vorliebe für Trockenfutter. Ein kurzer Check im Karteikasten, ob eine Registrierung vorliegt, dann wird das Futter ausgegeben. Als die vier mit einem großen Karton den Stand verlassen, kommt eine weitere Frau. Sie sorgt sich um ihre alte Katze und fragt nach einem Zuschuss für einen Tierarztbesuch.

VON 0 AUF 250

Zwölf Jahre ist es her, dass Dieter Rühle, Inhaber des Tierfuttermarktes Nelly’s Futterkiste und hauptberuflich in der Immobilienbranche tätig, eine Fernsehdokumentation über die Berliner Tiertafel sah. Sie inspirierte ihn dazu, ein ähnliches Projekt in der Fächerstadt auf die Beine zu stellen, und er gründete 2009 den KArlsruher TierTisch für Hunde und Katzen, kurz KATT e.V. Sein Anliegen: »Ich möchte verhindern, dass Tiere in das Tierheim abgegeben oder eingeschläfert werden müssen, weil sich die Besitzerinnen und Besitzer die Lebenshaltungs- und Tierarztkosten des Vierbeiners nicht mehr leisten können. Oftmals wurden die Tiere zu finanziell stärkeren Zeiten angeschafft und sind mittlerweile ein unverzichtbares Familienmitglied geworden.«

Die Anfangszeit des Vereins war zäh, erinnert er sich: »Meine Diplomarbeit zu schreiben war leichter, als die Satzung für den Verein zu formulieren.« Zudem verlief die Suche nach Spenden in den ersten drei Jahren schleppend, sodass das Projekt fast vollständig aus eigenen finanziellen Mitteln und Futterspenden vom Ladengeschäft getragen wurde. Der Durchbruch kam erst, als dem Verein 2013 der Tierschutzpreis des Landes Baden-Württemberg verliehen wurde. In der lokalen Presse erschien ein großer Bericht und der Bekanntheitsgrad sowie die Unterstützung nahmen zu. Heute finanziert sich der Verein durch die Beiträge seiner rund 120 Mitglieder sowie durch Geld- und Sachspenden.

Die Vereinsarbeit erfolgt ehrenamtlich. Das Team der Futterausgabe besteht aktuell aus Fabian Rühle, dem Sohn des Initiators, und seinen Freunden Fabienne Pavlovic und Felix Bentz. Jeden Montagnachmittag stellen sie für drei Stunden den Klapptisch vor den Container und legen los. »Es kommen meist um die 15 bis 20 Personen«, berichtet Fabienne. »Manche holen Futter für eine Woche, andere kommen nur alle paar Wochen und nehmen einen größeren Vorrat mit.« Registriert sind 250 als bedürftig ausgewiesene Tierhalterinnen und Tierhalter. Neben der kostenlosen Futterausgabe unterstützt der Verein, in Kooperation mit mehreren Tierärtzinnen und Tierärzten, die Behandlung kranker Tiere.Freiwillige Mitarbeitende der Karlsruher Tiertafel bei der Ausgabe von Futter & Co.

SELBSTLOS – ABER NICHT SELBSTVERSTÄNDLICH

Dieter Rühle hilft gerne, doch findet auch, dass ein gewisses Bewusstsein dabei eine wichtige Rolle spielt: »Die Menschen haben auch eine finanzielle Verantwortung für ihr Tier.« Daher unterstützt der Verein maximal zwei Tiere einer bedürftigen Person für vier Tage pro Woche mit Futter. Zubehör gibt es nur gegen eine kleine Spende. Der Eigenanteil für eine Impfung liegt bei 15 Euro, der für Tierarztkosten in der Regel bei 50 Prozent. Eine Ratenzahlung ist möglich.
Wer unterstützt werden möchte, muss seine Bedürftigkeit vorab nachweisen. Die Registrierung findet vor Ort statt, wobei auch das Tier vorgestellt werden muss, damit sich der Verein ein Bild über den Zustand des Tieres machen kann.

Nachahmung und Unterstützung erwünscht

»Enorm war der Anstieg der Anträge in der Corona-Zeit«, berichtet Dieter Rühle. »Anfragen aufgrund von Kurzarbeit und Jobverlust kamen auch aus benachbarten Regionen. Da unsere Kapazität schon bald nicht mehr ausreichte, mussten wir schweren Herzens ab Juli überregionale Anträge ablehnen.«
Es zeigt sich also, dass der KATT e. V. noch ein Ausnahmeprojekt ist. »Nachahmerinnen und Nachahmer in weiteren Städten sind daher ausdrücklich erwünscht!« ermutigt der Karlsruher Gründer. Ebenso die ehrenamtliche Verstärkung des jungen Teams: »Jemand, der sich mit Webseiten und digitalen Medien auskennt, wäre toll« so Dieter Rühle. Eine größere Herausforderung steht in naher Zukunft an: Aktuell suchen Nellys Futterkiste und der KATT e. V. eine neue Bleibe – das Gelände im Norden der Stadt wird Ende 2021 neu bebaut.

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