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Text: Konstantin Maier
Fotos: Anne-Sophie Stolz

 

Wie gesund ist Leitungswasser?

Vor Kurzem ging die Nachricht durch die Medien, dass deutsche Fließgewässer zu 93 Prozent nicht in ökologisch gutem Zustand seien. Das ergab eine Anfrage der Partei Die Grünen an die Regierung. Wann immer solche Meldungen publik werden, zweifeln viele an der Qualität unseres Trinkwassers. Können wir weiter bedenkenlos aus der Leitung trinken? Schließlich ist oftmals auch von Bleispuren die Rede, Bakterien oder auch Rückstände von Medikamenten sollen ebenfalls im Wasser landen. Das Karlsruher Wasser gilt als hart, also sehr kalkhaltig. Schadet uns das?

 

»Aufgrund der geologischen Situation und der gut geschützten Grundwasserleiter, die die Rohwasserressource für das Karlsruher Trinkwasser darstellen, ist das Grundwasser in einem hervorragenden Zustand«, erklärt Dr. Josef Klinger. Grundwasserleiter sind Gesteinsschichten mit Hohlräumen, die Grundwasser durchlassen. Klinger leitet das in Karlsruhe ansässige Technologiezentrum Wasser (TZW), eine selbständige und gemeinnützige Einrichtung des Deutschen Vereins des Gas- und Wasserfaches e. V. (DVGW). Das Technologiezentrum kümmert sich um alle Fragen rund um den Wasserkreislauf, insbesondere des Trinkwassers. Generell lässt sich deutschlandweit sagen: Wasser, das aus dem Hahn kommt, ist Wasser erster Klasse. Und damit das so bleibt, betreiben Wasserversorger wie die Stadtwerke Karlsruhe großen Aufwand, um das Grundwasser, aus dem unser Trinkwasser gewonnen wird, zu schützen und seine hervorragende Qualität zu erhalten.

Hartes Wasser in Karlsruhe

Reden wir nicht um den heißen Brei herum – das Karlsruher Trinkwasser ist kalkhaltig. Doch was genau ist dieser Kalk? Wie genau kommt er ins Trinkwasser und warum macht er das Wasser so hart? Als weißer Rückstand bleibt der Stoff auf Armaturen und Geräten zurück: Kalk. Das Wasser aus der Leitung weist einen hohen Calcium- und Magnesiumgehalt auf. Wenn im Volksmund hierbei von »Kalk« die Rede ist, sind damit genauer Calcium- und Magnesium-Ionen gemeint. Wie gelangen diese ins Trinkwasser?

»Der im Karlsruher Trinkwasser gelöste Kalk ist natürlichen Ursprungs, er wird vom Grundwasser während seiner langen Aufenthaltszeit in den kalkhaltigen Gesteinsschichten aufgenommen.«, erklärt Michael Schönthal, der bei den Stadtwerken Karlsruhe die Abteilung für Trinkwasserqualität leitet. Vereinfacht gesagt: Weicher Regen reichert sich in der Atmosphäre mit Kohlensäure an, fällt auf die Erde, durchläuft die natürliche Filterung über Steine, Schotter und den Untergrund. Dabei löst das Regenwasser wichtige Mineralien aus dem Boden; vor allem Calcium und Magnesium. »Die Härte des Trinkwassers ist eine technische Größe«, erklärt Schönthal. Sie beeinflusse somit rein technische Eigenschaften des Wassers. Das Trinkwasser enthalte natürlicherweise geringe Mengen an Kohlensäure. Wenn diese entweiche, falle der im Trinkwasser gelöste Kalk wieder aus. Dies geschieht beispielsweise am Duschkopf oder am Wasserhahn. Auch bei starker Erwärmung, wie etwa im Wasserkocher oder in der Kaffeemaschine, entstünden dadurch Kalkablagerungen.

Beste Trinkwasserqualität: Wasser, das aus dem Hahn kommt, ist in Deutschland Wasser erster Klasse.

Und wie ist es generell um die Trinkwasserqualität in Karlsruhe bestellt? Sehr gut, laut Schönthal. »Das haben wir den vorausschauenden, weitsichtigen Entscheidungen derjenigen zu verdanken, die in der Historie die Wasserversorgung der Stadt Karlsruhe entwickelt haben.« Sie hätten dafür gesorgt, dass unsere Wasserwerke in ausgedehnten Waldgebieten liegen, wo Grundwasser gewonnen werden kann, das sich natürlich und weitgehend unbeeinflusst von menschlicher Tätigkeit bildet. »Bereits das Grundwasser ist von so guter Qualität, dass wir lediglich das im Grundwasser natürlicherweise enthaltene Eisen und Mangan durch Belüftung und Filtration entfernen müssen«, so der Trinkwasser-Experte weiter. Deshalb kommt Karlsruhe in den Genuss ungechlorten Trinkwassers.

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