miteinander

Verkalkt?

Bei Kalk ist man verleitet, gleich an Herzkrankheiten zu denken, schließlich ist oft die Rede von einer »Arterienverkalkung«. Der Karlsruher Kardiologe Dieter Jänisch-Bernstein gibt Entwarnung: »Kalk im Trinkwasser und Arterienverkalkung haben nichts miteinander zu tun.« Im Gegenteil sei das Trinkwasser sogar gut für unsere Knochen und Zähne.

 

Calcium ist das wichtigste Mineral im menschlichen Körper. Bei einem Erwachsenen macht Calcium ein bis zwei Prozent des Körpergewichts aus. So gut wie alles davon befindet sich in den Knochen und Zähnen. Bei der Arterienverkalkung handle es sich um einen Entzündungsprozess der Gefäße, herbeigeführt durch Rauchen, Diabetes, Bluthochdruck, Übergewicht, Bewegungsmangel oder hohes Cholesterin. »Das kann auch als Alterungsprozess angesehen werden, der Mensch ist so alt wie seine Gefäße«, so der Kardiologe weiter. Aus medizinischer Sicht sei laut Jänisch-Bernstein eine Enthärtung des Trinkwassers nicht notwendig. »Allerdings reicht die Calcium-Aufnahme allein durch das Trinkwasser nicht aus, weshalb Calcium auch zum Beispiel in Form von Milchprodukten aufgenommen werden sollte.« Neben dem Knochenaufbau hat Calcium auch andere wichtige Rollen im Körper wie bei der ordnungsgemäßen Funktion von Muskeln und Nerven. Jeder Sportler kennt es: Ist zu viel oder zu wenig Calcium im Körper, kann es zu Muskelkrämpfen und neurologischen Fehlfunktionen kommen.

»Kalk im Trinkwasser und Arterien­verkalkung ha­ben nichts miteinander zu tun.«

Enthärten oder nicht?

Was in unseren körperlichen Leitungen also kein Problem darstellt, kann allerdings in den Wasserleitungen anders sein. Peter Knobloch führt seit 20 Jahren einen Installateur-Betrieb in Karlsruhe, er weiß, wovon er spricht, wenn es um Installationen geht: »Gerade bei Boilern und Armaturen stellt der hohe Calciumgehalt im Wasser eine Schwierigkeit dar.« Wird das Wasser nämlich über 60 Grad erhitzt, bilden sich Kalkablagerungen. »Je heißer, desto mehr Ablagerungen entstehen«, erklärt der Geschäftsführer. Die einfachste Methode, hier Abhilfe zu schaffen sei, die Brauchwassertemperatur auf 60 Grad Celsius zu senken. »Einige Kunden wünschen sich deshalb eine sogenannte Enthärtungsanlage«, so Knobloch weiter. In einer solchen Anlage werden die Calcium- und Magnesium-Ionen 
entfernt und gegen Natrium ausgetauscht. Es gelangt also nur weiches Wasser mit sehr niedrigem Kalkanteil bis zum Verbraucher vor. Ob man sich für oder gegen eine Enthärtungsanlage entscheide, das müsse jeder Kunde für sich individuell abwägen, kommentiert Dr. Josef Klinger.

H2O

Wasser ist eine chemi­sche Verbin­dung aus den Ele­­men­ten Sauerstoff (O) und Wasserstoff (H). Dabei bilden je zwei Wasser­­stoffatome und ein Sauerstoff­atom die Moleküle.

Es ist die einzige chemische Ver­bindung auf der Erde, die in der Natur als Flüssig­keit (Wasser), als Festkörper (Eis) und als Gas (Wasser­dampf) vorkommt.

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»Wir arbeiten für und mit Wasserversorgern, Unternehmen, Fachbehörden und Hochschulen auf nationaler und internationaler Ebene zusammen«, erklärt Klinger. Bei einer Enthärtungsanlage solle in jedem Fall darauf geachtet werden, dass für das Gerät eine DVGW-Zertifizierung vorliegt. Eine Enthärtung oder Nachbereitung des Trinkwassers zu Koch- und Trinkzwecken sei laut Klinger in Karlsruhe nicht nötig, »aber aus technischen oder Komfortgründen kann es eine Option sein«. Auch Schönthal empfiehlt, hier Vor- und Nachteile abzuwägen.

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