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Wasser ohne Grenzen?

Was für uns selbstverständlich ist, kann für andere unvorstellbar sein. Wir können beispielsweise einfach den Wasserhahn aufdrehen und einen Schluck Wasser trinken. Laut UNESCO leben rund 3,6 Milliarden Menschen und damit fast die Hälfte der Weltbevölkerung in Gebieten, die mindestens einen Monat pro Jahr von Wassermangel bedroht sind. Wasser bedeutet Leben. Das weiß auch Anthea Müller, die sich als Mitglied des Vereins »Engineers without Borders«, zu Deutsch »Ingenieure ohne Grenzen«, am Karlsruher Institut für Technologie engagiert.

»Fast die Hälfte der Weltbevölkerung lebt in Gebieten, die mindestens einen Monat im Jahr von Wassermangel bedroht sind.« UNESCO

Der Verein kümmert sich um Krisenländer, baut Brunnen und Regenwasserzisternen, renoviert Dörfer und Schulen, errichtet Brücken, Sanitäranlagen und versorgt Dörfer mit Strom aus Solaranlagen. Wasser steht oftmals im Zentrum der Vereinsarbeit, wie zum Beispiel bei einem Projekt in Sri Lanka. Hier wollte der Verein einen Ort der Zusammenkunft und Zuflucht für kriegsbetroffene Frauen schaffen sowie ihnen ein geregeltes Einkommen ermöglichen. Die Idee: der Bau einer Bäckerei. »Doch das Wasser vor Ort war weder für den Bau noch für die Lebensmittelproduktion brauchbar«, so Müller. Deswegen förderten die am Projekt beteiligten Studierenden vor Ort das Wasser aus dem bestehenden Flachwasserbrunnen und reinigten es mit einem nachgeschalteten, mehrstufigen Filter. »Egal ob wir an einer Brücke arbeiten oder ein Wasserkraftwerk aufbauen, Wasser spielt bei unseren Projekten immer eine zentrale Rolle«, so Müller.

 

 

 

Energieträger Wasser

Wasser ist vielseitig – nicht nur als Rohstoff für den Bau oder für die Lebensmittelproduktion. Es ist auch in der Lage, Energie zu erzeugen oder zu speichern. Eine solche Energieerzeugung geschieht beispielsweise bei der Appenmühle an der Alb in Daxlanden. Hier werden rund 100.000 Kilowattstunden Strom pro Jahr gewonnen, was für die Versorgung von etwa 40 Karlsruher Haushalten reicht. Schon vor hunderten von Jahren, im Mittelalter, wurde sie als Kornmühle betrieben und vom Wasser angetrieben. Auch am Rhein nutzen Energieversorger die Wasserströmung zur Gewinnung von Energie. Heute produzieren am Oberrhein zwischen Basel und Karlsruhe zehn große Wasserkraftwerke jährlich rund neun Milliarden Kilowattstunden Strom.

LAND DER (BAGGER-)SEEN

Im Stadt- und Landkreis Karlsruhe gibt es zahlreiche Badeseen, die zu großen Teilen aus ehemaligen oder noch betriebenen Baggerseen zum Kiesaubbau bestehen.

Wassers wundersamer Wandel

Doch auch für vermeintlich simplere Bedürfnisse ist Wasser geeignet. Ein altes Sprichwort der Mönche beschreibt Bier als »flüssiges Brot« – ein Irrglaube, denn ein Bier besteht beispielsweise zu 90 Prozent aus Wasser. Rudi Vogel braut Karlsruhes bekanntes »Vogelbräu«. Dabei spielt das Wasser eine grundsätzliche Rolle. »Die meisten Biertrinker denken beim Bier an Hopfen und Malz und vielleicht noch an Hefe«, so der Karlsruher Braumeister. In aller Regel wird allerdings das Wasser vergessen und das ist mengenmäßig der wichtigste Rohstoff für das Bier. »Das Wasser hat einen sehr großen Einfluss auf den Geschmack des Biers«, so Vogel weiter. Das wichtigste Merkmal, das ein Brauwasser mitbringen muss, sei eine ausgezeichnete Trinkwasserqualität und ein ausgewogener Geschmack. »Wir haben uns natürlich mit unseren Braurezepten auf unser Karlsruher Trinkwasser eingestellt und belassen es so, wie es ist. Dadurch brauen wir ein typisches und unverwechselbares Bier, das es nur hier geben kann.«

Egal ob lokal, regional oder interkontinental – Wasser ist auf allen Ebenen unseres menschlichen Daseins immens wichtig. So langweilig kann dieser Rohstoff gar nicht sein.

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