miteinander

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Text: Konstantin Maier
Fotos: Anne-Sophie Stolz

Dem Ingenieur ist wirklich nichts zu schwer

Traditionell sehen die Jobchancen für Ingenieure sehr gut aus. Davon war auch Andreas Schäfer überzeugt, als er sich für Chemieingenieurwesen entschied. Er studiert am Karlsruher Institut für Technologie (KIT). Es ist Mittagszeit, als wir uns auf dem Campus treffen. Gemeinsam gehen wir in die Mensa. Alles scheint hier dem Prinzip der Effizienz zu unterliegen: Es gibt mehrere Schlangen mit verschiedenen Menü-Optionen. Und wie schmeckt es? »Natürlich ist das keine Gourmetküche, aber für 2,50 Euro pro Essen kann man wirklich nicht meckern«, erzählt Andreas.

Zurzeit sitzt er an seiner Masterarbeit. Bis er so weit kam, war es für ihn nicht immer einfach. »Vor allem in den ersten Semestern musste ich viel nebenher arbeiten und war einfach zu selten an der Uni. Da bin ich mit dem Stoff nicht mitgekommen«, berichtet Andreas. Mittlerweile finanziert er sein Studium mit Nachhilfestunden. Auch das tägliche Lernpensum musste er sich erst antrainieren. Bei Lernmarathons verbrachte er schon mal bis zu 14 Stunden am Stück in der Bibliothek. Wieso entschied er sich gerade für diesen Studiengang? »Ich habe nicht immer davon geträumt, Chemieingenieur zu werden«, räumt er ein. Aber schon zu Schulzeiten sei er von Naturwissenschaften fasziniert gewesen. Und natürlich spielen auch finanzielle Vorstellungen eine Rolle bei der Wahl des Studienfachs. Inhaltlich habe er sich sein Studium zum Anfang zwar anders vorgestellt, aber ihm gefalle der lösungs­orientierte Zugang des KIT. »Wir lernen eher zu verstehen, wie man an ein Problem herantritt und den Lösungsweg findet. Der Lösungsweg selbst ist dabei gar nicht so entscheidend.«

Karlsruhe: Eine Studentenstadt ohne Studentenviertel

Seit er am KIT studiert, teilt Andreas sich eine Wohnung in der Karlsruher Oststadt. Seine Mitbewohner wechselten und er blieb. »Ich finde eine 2er-Wohngemeinschaft für mich optimal, weil man nicht alleine ist, sich austauschen kann und trotzdem nicht zu sehr abgelenkt wird.«

Rund 42.000 Studierende, 26 Forschungseinrichtungen, darunter neun Hochschulen, das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) als größtes Forschungszentrum Deutschlands und größter Arbeitgeber der Stadt – Karlsruhe ist eine Stadt der Wissenschaft. Obwohl die Studierenden fast 14 Prozent der Bevölkerung ausmachen, wird Karlsruhe selten als »Studentenstadt« wahrgenommen. 2009 ließ die Stadt ein GPS-Tracking von 100 Studierenden vornehmen, um mehr über die Lebensumstände des akademischen Nachwuchses zu erfahren. Dabei zeigte sich, dass es in Karlsruhe kein typisches »Studentenviertel« gibt, sondern sich die Studierenden vielmehr über die gesamte Innenstadt verteilen. Nur 25 Prozent wurden als Pendler charakterisiert.

Wenn alles still ist, beginnt das Konzert im Kopf

Jia Liu kam nach ihrem Bachelor in Shanghai nach Karlsruhe, um Komposition an der Hochschule für Musik zu studieren. »Ich habe mir verschiedene Fotos von Musikhochschulen in Deutschland angeschaut und war von dem ‹Schloss‹ in Karlsruhe beeindruckt«, erzählt sie mit einem Lächeln. Und tatsächlich wirkt das Schloss Gottesaue wie ein etwas unwirklicher Ort. Zurzeit sind rund 650 Studierende an der Hochschule für Musik Karlsruhe immatrikuliert. »Meistens hören wir gemeinsam Kompositionen und analysieren sie«, berichtet Jia aus ihrem Studienalltag. Es war nicht einfach für sie, Zeit für ein Treffen zu finden, da sie mit vier Konzerten in den letzten zwei Wochen sehr ausgelastet war. »Es geht viel darum, sich selbst zu organisieren, sich mit Musikern zum Proben zu treffen, Räume organi­sieren, solche Dinge.« Jia spricht zwar Deutsch, aber es fällt ihr leichter, das Gespräch auf Englisch zu führen. An der Hochschule selbst geht es international zu. »Da ist von Chinesen über Neuseeländer bis hin zu Brasilianern wirklich alles dabei«, so Jia. Wie funktioniert das, wenn so viele Musiker zusammen in einem Gebäude spielen wollen? Dafür gebe es verschiedene Raumbelegungspläne, doch eigentlich erfolge alles in Absprachen unter­einander.

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