miteinander

Kommunikationsfördernd: die Berge

Weiter geht die Wanderung nach Stupferich. Die Gemeinde ist – wie viele andere im Umland – deutlich älter als Karlsruhe selbst. Das zeigt sich an den vielen Fachwerkhäusern, die hier noch erhalten sind. Eine Pappelallee ist mehr als malerisch – sie gibt sehenswert den Blick auf die umliegenden Felder und Streuobstwiesen frei. Der Weg führt mich durch die Felder hinein in den Hardtwald bei Durlach und Pfinztal. Im Wald treffe ich auf den Hirschkanal, einen der vielen Entlastungskanäle, die in den Rhein fließen und seit Jahrhunderten dazu dienen, den Rückstau aus Rheinnebenflüssen bei Hochwasser abzuführen – im wahrsten Wortsinn kleine Flüsse wie Alb oder Pfinz zu entlasten.

Ziemlich erschlagen erreiche ich Durlach. Hier nehme ich eine ausgiebige Mahlzeit ein und beende den Tag bei einem kurzen Gespräch mit einigen Einwohnern, die mir schnell erklären, dass Durlach ja schon viel älter als Karlsruhe ist – und, so gesehen, Karlsruhe ein Stadtteil Durlachs sein sollte.

Am nächsten Morgen beginne ich wieder relativ früh mit meiner Tour und begegne gegen 10 Uhr zum ersten Mal anderen Wandernden. Und stelle mir plötzlich eine Frage: Wieso grüßt man sich draußen? Beim Spaziergang durch den Stadtpark grüßt man eher keine Fremden, auf dem Land dagegen sagt man umso öfter »Grüß Gott«, »Hallo« oder »Morge«, je menschenleerer die Landschaft wird. Dies könnte so mancher Städter als Heimatfolklore abtun oder gar als Verletzung der Privatsphäre empfinden. So lange, bis er in den Alpen einen Klettersteig entlangbalanciert, ein Gewitter grollend aufzieht und der Handy-Empfang weg ist. Vielleicht ist der Zausel mit dem lächerlichen Seppelhut ja später der Einzige, der den Rettungsdiensten sagen kann, wo man dann suchen muss, denke ich. Deswegen grüße ich vorsichtshalber jeden Menschen auf meinem Weg.

Meine Grußworte bringen mich mit einem Rentnerpaar in Kontakt. Gisela und Karl haben ihr Wohnmobil in Durlach abgestellt. Von da aus unternehmen sie kleine Touren, mal nach Straßburg, mal nach Baden-Baden – aber heute soll es zur sogenannten Ungeheuerklamm gehen. Ich schließe mich den beiden an. Wir plaudern nett über das Leben, das Wandern, über alles. Die Klamm – eine Schlucht im gleichnamigen Naturschutzgebiet – ist ziemlich wild, aber einfach zu laufen. Das ändert sich durch den einsetzenden Regen jedoch sehr schnell. Meine Begleiter beschließen daher, ihre Tour lieber zu vertagen. Ich bleibe dran, mein Plan sieht keinen Regen vor.

Auf rutschigen Pfaden laufe ich die Klamm entlang und stoße auf verwunschene Stege, dicke, umgestürzte Bäume – es wird richtig abenteuerlich. Bevor ich den Steg überquere, vergewissere ich mich, ob nicht etwa die besagten Ungeheuer darunter lauern. Zu meiner Erleichterung ist da nichts. Der Weg führt mich weiter zum Michaelsberg bei Untergrombach. Der ist in der archäologischen Welt über die Grenzen Deutschlands hinaus bekannt, denn er ist namensgebend für eine jungsteinzeitliche Kultur, deren Spuren hier zum ersten Mal beobachtet und dokumentiert werden konnten – die »Michelsberger Kultur«. Heidnische Überreste kann ich nicht entdecken, dafür eine Kirche. Mein Ziel thront am Horizont, unter dem sich weiter verdunkelnden Himmel. Einen kurzen Moment lang überlege ich, ein Stoßgebet zu senden, denn der Regen wird immer stärker. Doch ich unterdrücke meine spontane Gläubigkeit und nehme stattdessen die Beine in die Hand. Oben angekommen wird schnell klar, dass sich auch dieser Aufstieg gelohnt hat: Die Aussicht ist fantastisch. Man überblickt die Rheinebene und sieht auf den Weingartener See. Glücklicherweise findet sich hier auch ein Restaurant, in dem ich mich abtrocknen, ausruhen und stärken kann.

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