miteinander

animiertes Gif eines Voltigierenden

Ganz oben das Gefühl der Freiheit

Mut hat viele Facetten und eine davon ist es, gefährliche Dinge zu tun, weil der Nervenkitzel Spaß macht. Der eine saust mit einem Bungeeseil gesichert in den Abgrund, jemand anderes stellt sich beim Kampfsport dem Gegner oder der Gegnerin, wiederum jemand anderes taucht in die Tiefe, um die Unterwassernatur zu bewundern. Noch eine Sportart, die man mutig finden kann, ist das Voltigieren.

Den Mannschaftssport üben in der Regel Kinder und Jugendliche aus. Zum Team gehört ein nervenstarkes Pferd mit einem gleichmäßigen Galopp. Die jungen Leute lernen, im Laufen aufzuspringen und dann auf dem Pferd allein oder mit mehreren Turnerinnen oder Turnern akrobatische Übungen zu absolvieren.

Begeisterte Anhängerin des Sports ist Juliana Schweikle. Die heute 35-jährige Augenoptikermeisterin hat ab ihrem zehnten Lebensjahr in einem Karlsruher Verein voltigiert. Angst hatte sie nie: »Man lernt das ja nach und nach, Runterfallen gehört einfach dazu.« Blaue Flecken sind die Orden der Voltigierer, so lautet der gelassene Spruch unter Voltigierern. Besonders gefallen hat ihr der Kontakt mit dem Pferd und ihrem Team – und das Freiheitsgefühl in der Höhe. »Es ist ein schönes Gefühl, wenn man den Schwung des Pferdes nutzen und zu einem harmonischen Miteinander kommen kann«, ergänzt Juliana Schweikle.

Ob sie es wohl gut findet, wenn ihre Kinder in ein paar Jahren Lust auf den Sport haben? »Natürlich würde ich sie dabei unterstützen«, schmunzelt sie.

»Kinder, die an sich und ihre Fähigkeiten glauben, sind mutiger und damit zufriedener. Sie lernen, dass es sich lohnt, in neue, unsichere Situationen hineinzugehen und auch mal Regeln zu hinterfragen« Inken Hasselbusch

Lehrmeister Misserfolg

Wer mutig ist, erlebt auch immer wieder Rückschläge. Das gehört zum Lernen und zum Leben dazu. Aus pädagogischer Sicht ist es wichtig, Kinder zu ermutigen, ihre Welt und ihre Handlungsmöglichkeiten zu erkunden. Das ist gut für ihre Entwicklung und für ihre Haltung Schwierigkeiten gegenüber. Kinder lernen, mutig zu sein – wenn man sie lässt.

Das Wachsen an Herausforderungen ist auch eines der Themen von Inken Hasselbusch. Die studierte Soziologin und Pädagogin aus dem Karlsruher Süden arbeitet derzeit als pädagogische Fachkraft in einem Schülerhort.

Grenzen austesten und Schwierigkeiten überwinden

Es sei »unglaublich wichtig«, Kinder zu ermutigen, ihre Grenzen auszutesten. Wichtig, damit sie über sich lernen, über Gefahren, über körperliche Fähigkeiten und vieles mehr. Die Beschützerinstinkte vieler Eltern und der verständliche Wunsch, dem Kind Hindernisse aus dem Weg zu räumen, können dabei auch Schaden anrichten. Kindern fällt es dann schwerer, mit Aufgaben, Problemen und Herausforderungen umzugehen, sind leichter frustriert und können mit Rückschlägen nicht so gut umgehen. Dabei sind Misserfolge so wichtig!

Natürlich soll nicht das Gefühl aufkommen, Eltern oder Erzieher würden sich nicht kümmern, im Gegenteil. »Kinder müssen spüren, dass wir für sie da sind, dass Fehler zu machen in Ordnung ist und dass sie vom Sicherheitsnetz der Erwachsenen getragen werden. Mit diesem Zutrauen und Rückhalt können Kinder wachsen und lernen, kreative Lösungen für ihre Probleme zu finden.«

Neuversuchen erlaubt

Im besten Fall machen Kinder die Erfahrung, dass Scheitern nicht schlimm ist. Denn: Meistens kann man es ja nochmal versuchen. »Kinder, die an sich und ihre Fähigkeiten glauben, sind mutiger und damit zufriedener. Sie lernen, dass es sich lohnt, in neue, unsichere Situationen hineinzugehen und auch mal Regeln zu hinterfragen«, schließt Inken Hasselbusch und erklärt, dass sie ihre Schützlinge dazu auch mal ermutigt.

Ihr persönlicher Weg, so lerne ich im Gespräch, ist ebenfalls einer von Neuorientierungen und mutigen persönlichen berufsbiografischen Entscheidungen. Heute arbeitet sie einen Teil ihrer Zeit mit Kindern und den anderen als Huftechnikerin mit Pferden.

 

Der innere Kompass

Es ist manchmal schwer nachzuvollziehen, was Gründerinnen und Gründer antreibt. In unsicheren Zeiten ist es doch sicher wichtiger, Sicherheit zu haben? – Nicht immer, lautet die diplomatische Antwort. Es kann sein, dass der Traum von der eigenen Geschäftsidee, von der Unabhängigkeit und der Selbstbestimmtheit die stärkere Antriebskraft sind.

In der Fächerstadt finden Menschen mit dem Plan, zu gründen, gute Bedingungen vor. Vielleicht, weil die Stadt vor etwas mehr als 300 Jahren bei ihrer Gründung darauf setzen musste, dass mutige und tatkräftige Menschen herziehen und die Ärmel hochkrempeln würden. Heute fördert die Stadt insbesondere junge Leute mit guten Ideen mit Beratung, entsprechenden Strukturen und Vernetzungsmöglichkeiten.

 

»Ich habe das Bild eines Adlers vor Augen. Erst, wenn er sich abstößt, sich in den freien Fall begibt und seine Flügel ausbreitet, kann er fliegen.« Julia Frisch

Vertrauen ins Leben haben

Jedoch: Den Schritt in die Selbständigkeit und seine Konsequenzen tragen immer die Gründerinnen und Gründer selbst. Das war und ist zum Beispiel bei Julia Frisch der Fall. Mit einer Verbeamtung in der Tasche arbeitete die 32-Jährige zehn Jahre bei der Stadt in der Verwaltungs- und Managemententwicklung. Ende 2019 traf sie die Entscheidung, ihren eigenen Weg als Coach und Trainerin zu gehen. Sie wollte intensiver mit dem einzelnen Menschen arbeiten, als integriert in eine Organisation an deren Rahmenbedingungen gebunden zu sein. Ihr Motto: »Mit der richtigen Einstellung, mentaler Stärke und positiven Gefühlen jede Veränderung in Deinem Leben meistern.« 2020 war es dann so weit: Im Corona-Sommer endete ihre Verbeamtung und begann ihre Selbständigkeit. War das nicht mutig? »Ich habe das Bild eines Adlers vor Augen. Erst, wenn er sich abstößt, sich in den freien Fall begibt und seine Flügel ausbreitet, kann er fliegen. Und so sehe ich das für mich auch. Ich habe Vertrauen ins Leben und spüre, dass ich auf dem richtigen Weg bin. Es fühlt sich echt an.« Auch wenn die Situation coronabedingt offen ist: Julia Frisch macht weiter. Sie sagt, es ist das einzig Richtige.

Lockruf der Freiheit

Ihr Kollege Daniel Wiegand hat ebenfalls Sicherheit gegen Unabhängigkeit getauscht. Gemeinsam mit einem guten Freund hat er viele Jahre lang eine Webagentur geführt. Und die lief, wie er sagt, richtig gut, mit einem zweiten Büro in Berlin und einem knappen Dutzend Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Bei der Gründung 2007 hatten die beiden ihre Sparbücher leergeräumt, erzählt er – ein Zeichen für das Risiko, das sie bereit waren zu tragen. Der heute 40-jährige Programmierer und IT-Experte genoss einerseits den wirtschaftlichen Erfolg, fühlte sich aber zunehmend durch die Führungsaufgaben von dem abgelenkt, was er eigentlich machen wollte. Optimierung von Strukturen, Standortentwicklung und Personalorganisation fraßen die Zeit für inhaltliche Arbeit. Deshalb fiel die Entscheidung 2014/15, mit ausreichend Vorlauf und Unterstützung für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die Agentur aufzulösen. Daniel Wiegand stürzte sich in neue, eigene Projekte, unter anderem ein Online-Magazin und in die Solo-Arbeit für seine Kunden. »Es war ein Bad der Gefühle, manche haben wirklich den Kopf geschüttelt über unseren Schritt«, blickt er zurück. Aber er ist weiterhin froh über seine Selbständigkeit. »Die Themen sind komplexer und damit für mich spannender.« Gründungsinteressierten rät er, ganz ehrlich zu sich zu sein.

»Man ist dazu geboren oder halt auch nicht. Es gibt kein Richtig oder Falsch. Wer gründet, muss bereit sein, aus der Komfortzone rauszugehen und immer agil zu bleiben.« Daniel Wiegand

 

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