miteinander

Im Wohnzimmer können es sich die Mädchen in der Gruppe Mika abends zum Chillen gemütlich machen.

Kinder bleiben durchschnittlich 20 Tage – sie schlafen dort, aber sie wohnen nicht dauerhaft.

Beim Kickern können die Mädchen Dampf ablassen. Die Trikotfarben entsprechen ihren Wünschen.

Tagsüber hat jede der acht Mädchen in der Gruppe unterschiedliches zu tun. Die Teilnahme am gemeinsamen Abendessen ist aber für alle Pflicht.

Im Raum der Betreuerin – der rund um die Uhr besetzt ist – gibt es Ruhe für Gespräche und Zuwendung. Oft sind einschneidende Entscheidungen zu treffen.

Vertraulichkeit und Vertrauen müssen erst wieder wachsen. Nach Türenknallen und Tränen sind klärende Gespräch der Beginn des Neuanfangs.

Mit dem Depri-Kissen kann man Emotionen ablassen – Draufschlagen oder Schmusen, je nach Stimmungslage.

Die Türen sind immer offen. Wie in einer Familie hat jeder altersgerechte Ausgehzeiten, die manchmal hart verhandelt werden.

Seit mehr als 100 Jahren ein Schutzraum für Kinder und Jugendliche: das Sybelcentrum wurde als „Städtisches Kinder- und Säuglingsheim“ 1911 gebaut.

Der Ausblick von der Terrasse auf den Spielplatz der benachbarten KiTa und das weitläufige Gelände des Sybelcentrums in der Südstadt.

Passt auf seine Schäfchen auf: Der Schäfer im Flur des Sybelcentrums, von der Karlsruher Majolika hergestellt.

Die feine Balance aus Nähe und Distanz

»Mit Sicherheit Ruhe finden« – unter diesem Motto bietet die In­obhutnahme im Sybel­centrum der Heim­stiftung Karlsruhe Raum für Kinder und Jugendliche in Krisen­situationen.

»Das hier sind die am häufigsten zugeknallten Türen in Karlsruhe. Die Kinder und Jugendlichen bringen oft viel Wut mit, wenn sie hier ankommen«, erklärt Heike Withopf, Bereichsleiterin Inobhut­nahme im Sybelcentrum beim Besuch einer der Wohngruppen. Rund um die Uhr ist hier jemand, um Kinder und Jugendliche zu begrüßen, die ein Dach über dem Kopf und einen Ort zum Ankommen brauchen. Was passiert, damit Minderjährige das »letzte Netz vor der Obdachlosigkeit« nutzen? Die Gründe sind vielfältig. Sie reichen von der Ankunft von Geflüchteten ohne volljährige Angehörige über familiäre Krisen, drohende Obdachlosigkeit bis zu Behinderungen oder Sucht­problematiken. Manchmal veranlasst das Jugendamt eine Inobhutnahme, manchmal kommen Kinder oder Jugendliche aus eigenem Antrieb. Sie wissen, in der Sybelstraße in der Südstadt gibt es Hilfe. Allerdings nicht für immer. Wer hier ankommt, ist auf der Durchreise. Manchmal führt der Weg zurück in die eigene Familie, manchmal in eine Pflegefamilie oder in eines der langfristigen Angebote der Heimstiftung Karlsruhe. Deshalb steht an den Türen nur »Hier schläft«, nicht »Hier wohnt«. Ein feiner Unterschied. Den Betreuerinnen und Betreuern ist es wichtig, die feine Balance zwischen Nähe und Distanz zu halten. »Es braucht Nähe, damit sich die Mädchen und Jungen öffnen können und damit wir gute, passende Lösungen finden können. Dabei versuchen wir natürlich immer, die Familien und gewohnten Bezugspersonen einzubinden«, schildert Heike Wit­hopf ihre langjährige Erfahrung. Im Schnitt bleiben Kinder und Jugendliche 20 Tage in der Inobhutnahme. Das reicht von einer Nacht bis zu mehreren Monaten. Und statt Türenknallen gibt es auch fröhliches Gekicher, beispielsweise wenn der lange Flur zum Catwalk wird bei einem Beauty-Abend.

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