miteinander

Text: Konstantin Maier
Fotos: Anne-Sophie Stolz

Auch in diesem Jahr sieht man auf der 69. Bücherschau (Gastland: Frankreich) vor allem viele Menschen, die in Büchern stöbern, sich über Bücher unterhalten, Bücher signieren, kurz: Bücher leben. Da ist zum Beispiel Frank – er steht bei den aufwendig gestalteten Büchern in der Abteilung »The Arts+«, die einen Schwerpunkt auf den Kultur- und Kreativsektor gelegt hat. Gerade hält er ein Exemplar von Paul Austers Roman »4 3 2 1« in der Hand, das Buch ist Anwärter auf den Preis »Die schönsten Bücher Deutschlands«. Für Frank ist die Buchmesse fast schon etwas wie ein Klassentreffen. Als Buchhändler kommt er schon seit 15 Jahren hierher. Für seinen Buchladen in Hamburg ist er stets auf der Suche nach spannenden Verlagen und Autoren. »Ein gutes Buch muss sich für mich auch gut anfassen. Wir als kleiner Buchhandel leben vor allem von dem haptischen Erlebnis, dem In-die-Hand-nehmen-Können«, beschreibt er ein wichtiges Kriterium. Er kommt gerne hierher, weil er hier jedes Jahr die neuen Bücher begutachten und sich mit Autoren, Kollegen und Verlagsleuten austauschen kann.

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Wo werden eigentlich E-Books und
wo werden gedruckte Bücher gelesen?
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Im Frankfurter Westen nichts Neues?
Auch bei den großen Verlagen wie DuMont, Rowohlt oder Fischer herrscht reger Betrieb. »In diesem Jahr sind wir sehr zufrieden, der Andrang ist wirklich groß«, erklärt ein Mitarbeiter des Fischer Verlags, der gleich von mehreren potentiellen Gesprächspartnern umringt steht. Insgesamt kamen zur Frankfurter Buchmesse 2017 mit etwa 4.000 Veranstaltungen rund 280.000 Besucher. Zwar schloss die Buchbranche laut dem Börsenverein des Deutschen Buch- handels, dem Veranstalter der Messe, das vergangene Jahr mit einem leichten Minus ab, aber im Vergleich der letzten zehn Jahre zeigt sich, dass die Umsätze der Branche stabil geblieben sind. Konkret werden hier jährlich etwa 9,3 Milliarden Euro umgesetzt. Also alles wie gehabt? Nicht alles, denn auch bei der traditionsreichen Buchmesse in Frankfurt weht ein Hauch der Veränderung, der in den kommenden zehn Jahren nicht mehr wegzudenken sein wird. »Das Leben gehört dem Lebendigen an, und wer lebt, muss auf Wechsel gefasst sein«, erklärte einst schon Johann Wolfgang von Goethe. Der digitale Wandel macht auch vor der Welt der Lesenden keinen Halt. Was also bedeutet es, in einer digitalisierten Welt zu lesen und zu schreiben? Eine Antwort darauf könnte das sogenannte Self Publishing geben. Dabei veröffentlichen die Autoren ihre Werke zumeist in rein digitaler Form selbst, ohne einen Verlag, im Internet. An den meisten Lesern geht der Großteil des Self Publishing derzeit jedoch vollkommen vorbei. Nicht etwa, weil das gern gepflegte Vorurteil »alles Schrott« immer gilt. Tatsächlich findet man unter den 100 meistverkauften, selbst publizierten E-Books kaum eines, das handwerklich mies wäre. Obwohl die etwa 75.000 Self Publisher in Deutschland durchaus auch unausgereifte Manuskripte hochladen. Aber hier funktioniert die Empfehlung und Filterung statt durch die üblichen Meinungsführer – wie Verlagslektoren, Zeitungsredaktionen oder Experten – durch die Käufer: Ein schlechtes Buch erhält schnell schlechte Leserbewertungen, verkauft sich nicht mehr und versinkt damit in den für normale Nutzer unsichtbaren (Online-)Tiefen.

FRANKFURTER BUCHMESSE
2017 Die internationale Buchmesse findet jährlich im Oktober statt und ist das weltgrößte Event der Verlagsbranche.

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